Franziskanische Impulse 2020

Jeden Monat im Jahr 2020 steht bei Regens Wagner ein geistlicher Impuls zu Clara und Franz von Assisi im Mittelpunkt.

Die Impulsworte wurden zum großen Teil aus den Reihen der Seelsorgerinnen und Seelsorger bei Regens Wagner benannt. Die begleitendenden Texte - Einführung und Überlegungen, diesem Impuls im Alltag nachzuspüren bzw. in unserem alltäglichen Tun sichtbar und spürbar werden zu lassen - stammen aus der Feder unserer theologischen Referentin Dr. Thérèse Winter.

Alle sind eingeladen, unseren geistlichen Weg auch in diesem mitzugehen:

2. Franziskanischer Impuls: Stoff-Wechsel – Andersreichleben

Wort/Geschichte

Wisset, dass vor dem Angesicht Gottes manche Dinge überaus hoch und erhaben sind, die bisweilen unter den Menschen für niedrig und wertlos angesehen werden. Und andere Dinge sind unter den Menschen wertvoll und ansehnlich, die vor Gott als ganz niedrig und als wertlos gelten.
(Br. Kust II, 2 f.)

Woher es kommt

Ich finde es erstaunlich, dass wir Heutigen noch Briefe lesen können, die der hl. Franz von Assisi im 13. Jahrhundert geschrieben hat. Soviel Zeit liegt zwischen den Jahrhunderten, die Sprache hat sich verändert, aber die Worte von Franz drücken etwas aus, was auch wir heute nachvollziehen können. Die oben zitierte Weisheit richtet Franziskus an die Oberen seiner Gemeinschaft. Mit Briefen hat Franziskus seine Mitbrüder daran erinnert, die wirklich wichtigen Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren.

Meditative Gedanken

Franziskus ist ein Mann der Kontraste. Als verwöhnter Tuchhändlersohn wächst er auf mit kostbaren Stoffen. Brokat, Seide, Samt und Damast stehen für hohen Lebensstandard. All das erlebt er zunehmend als oberflächlich, äußerlich, eine Scheinwelt, die sich drückt vor der Realität. Ein Luxus, der viel Leere überspielt. Der protzt und den persönlichen Egoismus bedient. Kleider machen Leute. Franziskus fragt: wer bin ich wirklich, auch ohne den Reichtum? Wer bin ich in den Augen Gottes? Er tauscht sein Gewand in ein einfaches braunes Bauerngewand. Radikaler Stoff-Wechsel. Hin zu den Armen, den Habenichtsen, weil er bei ihnen den armen Christus entdeckt, den er sucht und liebt. Er entdeckt einen neuen, anderen Reichtum: echte Freude, herzliche Solidarität, zärtliche Demut, wachsende Freiheit. Auch heute spüren nachdenkliche und wache Menschen: unsere Welt leidet. Sie wird übernutzt und ausgebeutet. Es gibt mehr Schein als Sein. Der Mitmensch gerät unter die Räder. Es braucht einen anderen Lebensstil: Einfachheit, Fürsorge, Schöpfungsliebe, Sorgfalt im Umgang mit den begrenzten Ressourcen. Schon allein aus Vernunft. Und tiefer gelegt: weil Gott sich mit dieser so gefährdeten Welt eingelassen hat und sie liebt.

Persönliche Impulse für den Alltag

  • Ich kann für einen Tag ganz bewusst wahrnehmen, mit welch unterschiedlichen Stoffen ich es zu tun habe; ich spüre sie mit meinen Händen, auf meiner Haut und nehme dankbar den Schutz und die bunte Vielfalt wahr.
  • Mein persönlicher „Stoff-Wechsel“: ich überlege, in welchem Bereich ich meinen Lebensstil konkret vereinfachen kann, um wesentlicher zu werden … (weniger Hetze, weniger Smalltalk, weniger Ablenkung, weniger Smartphone, weniger Kaufen…)
  • Ich notiere mir auf einer Liste an einem mir sichtbaren Platz alles, was mir persönlich wirklich wichtig und wertvoll ist; was (oft unscheinbar und leise) mein Leben reich macht, auch wenn es möglicherweise nicht im Mainstream der Zeit liegt. Ich spüre der Dankbarkeit in mir nach …
  • Ich achte auf Menschen meiner nahen Umgebung, mit denen ich teilen kann: Zeit, Spaß, Wärme, echtes Interesse, Dinge, Geschichten des Lebens …

 

1. Franziskanischer Impuls: Pace e bene

Wort/Geschichte

Pace e bene – Friede und Heil 

Woher es kommt

Der heilige Franz von Assisi ist bekannt dafür, dass ihm dieser Gruß besonders wichtig war. In seiner Ordensregel, aber auch in verschiedenen Briefen und in seinem Testament am Ende seines Lebens taucht immer wieder der Wunsch auf: Friede diesem Haus! Der Herr gebe dir Frieden! Er fordert auch seine Mitbrüder auf, den Menschen, egal wer es ist, mit diesem Wohlwollen zu begegnen und ihnen von Herzen Gutes zu wünschen.

Meditative Gedanken

Es ist beeindruckend zu sehen, dass in zwei kleinen Worten ein ganzes Lebensprogramm steckt. Wir erfahren und spüren auch heute, dass in unserer Welt nichts so sehr gebraucht wird wie Friede und Versöhnung. Es gibt so viel Unterschiedlichkeit zwischen den Menschen, so viel Streit, Hass und Gewalt. Wer am lautesten schreit, findet am meisten Gehör. Das Gute ist oft leise und geht unter. Es scheint nicht besonders reizvoll zu sein. Aber Gutes wünschen, und dafür Worte finden – das genügt oft schon, damit der Friede beginnen kann.

Friede wächst, wo wir einander gelten lassen, uns füreinander interessieren, uns gegenseitig Gutes gönnen. Unser Zusammensein fühlt sich anders an, wenn eine Atmosphäre der Offenheit, der Großzügigkeit und der Geduld da ist – in der Familie, in der Wohngruppe, im beruflichen Umfeld, in der Pfarrei, in der Stadt, im Netz … In so einer Umgebung kann ich auch nachvollziehen, was Heilsein bedeutet: mich wohlfühlen, Vertrauen spüren, frei atmen können mit Leib und Seele, gesund sein dürfen. So wächst der Friede auch im eigenen Herzen.

Persönliche Impulse für den Alltag

  • Ich kann mir diesen Gruß für diesen Monat besonders zu Herzen nehmen. Ihn immer mal wieder mir selbst zusprechen oder ihn als geschriebenes Wort an einer passenden Stelle in meiner Wohnung, in meinem Büro aufstellen.
  • Wenn ich unterwegs bin und Menschen begegne, kann ich ihnen, entweder still oder auch laut, mit meinen Worten Friede und Heil wünschen.
  • Ich achte in diesen Wochen darauf, wo ich Gutes erlebe – und „verdopple“ es, indem ich anderen davon erzähle.
  • Vielleicht gibt es gerade Personen, um die ich mich besonders sorge. Für sie kann ich in meinem Herzen ein kleines Stoßgebet sprechen: Friede und Heil! Und ihnen meine Mitsorge durch eine kleine Geste zeigen.