Kamele und Wüstensand in der Magnusheim-Kirche

Impuls zum Fasching in der Magnusheim-Kirche Holzhausen, 23. Februar 2022

Impuls zum Fasching in der Magnusheim-Kirche Holzhausen, 23. Februar 2022

Bei einem kleinen geistlichen Impuls zum Fasching in der Kirche von Regens Wagner Holzhausen war die Rede von griesgrämigen Gesichtern, vom Bauchnabel, ja, und von Kamelen. Die Botschaft: Christen sollen fröhliche Leute sein!

Ankommen 

Es ist der Mittwoch vor dem Lumpigen Donnerstag, Diakon Thomas Knill hat zu einem 15-minütigen Impuls in die Magnusheim-Kirche eingeladen. Während die letzten Interessierten eintrudeln, wartet bereits eine Förderstätten-Gruppe ganz hinten im Kirchenschiff darauf, dass es losgeht. Von vorn werden die Eintretenden mit heller, beschwingter Musik empfangen, und die Sonne sagt durchs Fenster ein strahlendes Hallo. Auf dem Altar brennen die Kerzen.
Schließlich sitzen alle auf gut Abstand in den Bankreihen, unter ihnen auch die kommissarische Gesamtleiterin Gabriele Kirschner. Die Musik ist ruhiger geworden und hilft uns, für einen Moment alles andere loszulassen, seien es die Herausforderungen des Berufsalltags oder die Gedanken an persönlichen Stress. Bei mir war’s grade mein Computer, der gesponnen hat: Mit einem Schlag stand die Anzeige auf dem Bildschirm auf dem Kopf! Vielleicht hatte ja mein PC ebenfalls Faschingsgedanken! Jedenfalls: Jetzt ist er wieder normal und ich atme tief durch.

Den Mitmenschen mit frohem Gesicht begegnen

Das Lachen stehe uns Christen gut, beginnt Thomas Knill, schon im Alten Testament sei davon die Rede (Psalm 126,1+2: „Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!“) Wenn wir hingegen mürrisch durch die Gegend laufen, geben wir ein völlig falsches Bild von Gott ab.

Ein Zweites komme hinzu: Mein griesgrämiges Gesicht belaste die Menschen, mit denen ich zu tun habe. Will ich das als Christin, als Christ? Aufhänger für diesen letzten Gedanken ist folgende Anekdote:

Nach einem bitterbösen Streit geht ein Ehepaar grantig zu Bett. Die Frau schläft schlecht und steht morgens recht zerknittert auf, mit geröteten Augen, Tränensäcken und strähnigen Haaren. Sie schaut in den Spiegel und sagt: „Das Ekel gönne ich meinem Mann!“

Ja, es lohne sich, nach den kleinen Schmunzlern im Alltag Ausschau zu halten, um selber ein frohes Gesicht zu bekommen. Was man bei der Suche zum Beispiel aufspüren kann, dafür brachte Thomas Knill eine Begebenheit mit Papst Johannes XXIII. zur Sprache. Gefragt, wie viele Leute denn im Vatikan arbeiten, habe er geantwortet: „Höchstens die Hälfte.“

Und nun kommt das Kamel

Es wird mit einem alten Schlager angekündigt, der bestimmt noch nie hier in unserer Kirche erklungen ist. Nur die Älteren unter uns kennen ihn noch, die schauen sich augenzwinkernd an und wippen ein wenig mit: „Brennend heißer Wüstensand …“ So werden wir an das arabische Sprichwort herangeführt, das als Motto über der Veranstaltung steht:

„Humor und Geduld sind zwei Kamele, die uns durch jede Wüste tragen.“

Zur Veranschaulichung hat Diakon Knill ein hölzernes Kamel mitgebracht, das nun aufmerksam der folgenden Geschichte lauscht, während er erzählt:

In der Wüste lebte einmal ein Beduine. Er legte in seinem Testament fest, wie nach seinem Ableben sein Besitz aufgeteilt werden sollte. Besitz, das bedeutet bei einem Beduinen … genau: Kamele! Von den Kamelen sollte der älteste Sohn die Hälfte erhalten, der mittlere Sohn ein Drittel, der jüngste Sohn ein Neuntel.

Bei seinem Tod hinterließ er eine Kamelherde aus 17 Tieren. Wen wundert es, dass sich die Söhne in die Haare gerieten, als es an die Aufteilung ging! Wie, bitte sehr, soll man 17 durch 2 teilen? Oder durch 3 oder 9? Bevor die Fetzen so richtig flogen, kam zum Glück ein weiser Mann des Weges, der sich einmischte: „Ich gebe euch ein weiteres Kamel dazu“, sagte er, „und dann könnt ihr in Frieden die Habe eures Vaters nach dessen Wunsch unter euch aufteilen.“

Nun freilich war die Aufgabe leicht zu lösen: Der älteste Sohn bekam 9 Kamele, der mittlere 6 Kamele, der jüngste 2 Kamele – und der Weise sein Kamel zurück!
Diese amüsante Geschichte, die ein gutes Ende nimmt, habe uns etwas Wesentliches zu sagen, gibt uns Diakon Knill einen weiteren Gedankenanstoß mit auf den Weg: In einer unübersichtlichen Situation braucht man manchmal ein Hilfsmittel, damit sie sich klären lässt.

Nun wendet er sich an Gabi Kirschner, für die in gut einem Monat die Freistellungsphase der Altersteilzeit beginnt, und verleiht ihr den Titel „Meisterin des 18. Kamels“. Gabi Kirschner wisse, wann es ins Spiel gebracht werden muss, wann Menschen Hilfe brauchen, zum Beispiel in Form von Regeln. Sie wisse gleichzeitig, wann sie das Kamel zurück in die Wüste schicken muss. Zur Erinnerung darf sie das hölzerne Kamel mit nach Hause nehmen.

Etwas ganz Besonderes

Als letztes geistliches Mitgebsel bekommen wir eine zweite Geschichte zu hören. Sie beantwortet die Frage, wie wir Menschen zu unserem Bauchnabel kommen. Ich habe eigentlich gedacht, dass ich das schon weiß, nun aber stelle ich fest, dass ich dazulernen darf:

Vor dem Geborenwerden nämlich, so diese Geschichte, werden die Menschen im Himmel gemacht. Weil es so viele sind, stehen sie auf einem Fließband, an dessen Ende Gott steht. Jeden einzelnen Menschen schaut er ganz genau an. Wenn ein Mensch dabei ist, auf den er als der Schöpfer besonders stolz ist, dann deutet er mit dem Zeigefinger auf dessen Bauch und sagt: „Du bist etwas besonders Außerordentliches, dich hab ich besonders lieb!“ Der Abdruck dieses Stupsers bleibt dem Menschen als Bauchnabel erhalten.

Ich werde heute Abend mal nachsehen, ob ich den Fingerabdruck Gottes an mir entdecken kann, denn das bekommen wir alle als „Hausaufgabe“ aufgetragen. Wenn dem so sein sollte, dann hab ich allen Grund zur Freude! Denn jeder mit so einem Bauchnabel darf wissen:

Du bist etwas ganz Besonderes!

(Anette Böckler)