Sich an St. Martin ein Beispiel nehmen

Sankt-Martin-Feier bei Regens Wagner Holzhausen

Sankt-Martin-Feier bei Regens Wagner Holzhausen

Vor dem Altar warteten die Requisiten: ein großer roter Umhang, ein glänzender Helm und ein Schwert; außerdem drei Kästen gefüllt Martinsgänsen, frisch gebacken in unserer Hausbäckerei. Diakon Thomas Knill gab letzte Anweisungen: „Wir brauchen das Liedblatt“, sagte er, „außerdem das Gotteslob. Und wer möchte unsere Pferde sein?“ Ein paar Kinder wollten das sehr gerne tun und bekamen „Pferdehufe“ in die Hände gedrückt. Das versprach eine lebendige, bunte Feier zu werden!

Es WURDE eine lebendige, frohe und auch bunte Feier, so viel gleich vorweg.

Die Martinsbotschaft

Wir feierten das Fest von Sankt Martin am Buß- und Bettag vormittags mit vielen Kindern und Jugendlichen aus dem Heilpädagogischen Heim und unserer munteren Truppe aus dem Seniorenbereich nach.

Die Botschaft des Festes zog sich durch viele Teile der kurzen, sehr erfrischenden Andacht. Sie lautete:

Wir wollen sein wie Sankt Martin. Das heißt: Wir wollen die Freunde von Jesus sein und ihm folgen. Und wir wollen teilen mit den Menschen, die unsere Zeit oder unsere Hilfe brauchen. Dafür wollen wir Augen, Ohren, Hände und Herzen offen halten.

Die Martinsgeschichte

Die Frage, wer denn die Geschichte vom armen Bettler kennt, mit dem Sankt Martin seinen Umhang teilt, ließ augenblicklich sämtliche Arme hochschnellen. „Klar“, nickte Diakon Knill, „die kennt jeder!“ Trotzdem musste sie erneut erzählt werden. „Erneut“ im wahrsten Sinne des Wortes: Dadurch, dass alle nicht nur zuhören, sondern auch  mitmachen durften in der Geschichte, konnte diese NEU erlebt werden und wurde Teilen richtig, richtig spannend!

War vom Wind die Rede, füllte sich der Kirchenraum mit deutlichen Sch-sch-sch-Geräuschen: „Draußen war es bitterkalt, Wind pfiff eisig durch den Wald“ Sch-sch-sch… Und im Wald bewegten sich die Äste aller Bäume: viele hochgestreckte Arme machten das ganz konkret. Als dann der Bettlers laut um Hilfe rief – „Es schreit und schreit der arme Mann so lange, bis er nicht mehr kann“ –, hielten sich alle die Ohren zu, um dann den Atem anzuhalten, als ein deutliches Hufegetrappel den nahenden Reiter ankündigte.

So spannend kann eine längst bekannte Geschichte werden!

Die Martinsgänse

Zum Ende der kurzweiligen halben Stunde kam noch die Rede auf die Martinsgänse. Noch einmal richtete Diakon Knill eine Frage in die Runde: „Weiß jemand, warum wir zu Sankt Martin Gänse backen? Was haben die denn mit dem heiligen Martin zu tun?“

Oh, unsere Seniorinnen erwiesen sich als bestens vorbereitet! Viel musste der Diakon nicht mehr ergänzen. Mit den Gänsen verhält es sich so:

Der heilige Martin sollte Bischof in der Stadt Tours werden, das wünschten sich die Leute, die dort wohnten, weil er so gütig war. Martin selbst aber dachte, er wäre nicht gut genug für so ein hohes Amt, und versteckte sich in einem Gänsestall. Dort hätte ihn wahrscheinlich niemand gesucht, aber die Gänse schnatterten so laut und so lange, dass er doch gefunden und zum Bischof geweiht wurde.

Zur Erinnerung an den heiligen Martin teilten die Ministranten im Anschluss an die Andacht gebackene Gänse an die Anwesenden aus. „Wie viele kriegt jeder? Vier? Fünf?“ So lautete die abschließende Testfrage von Diakon Knill. „Jeder eine!“ kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Wir wollen ja das Teilen üben.

Test bestanden!