Rundum gelungenes Krauthobelfest

7. Oktober 2022: Krauthobelfest bei Regens Wagner Holzhausen – Krauthobelaktion in der Bioland-Gärtnerei und herbstliches Hoffest auf dem Magnushof

7. Oktober 2022: Krauthobelfest bei Regens Wagner Holzhausen – Krauthobelaktion in der Bioland-Gärtnerei und herbstliches Hoffest auf dem Magnushof

Am 7. Oktober erlebten wir zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder ein Krauthobelfest in altbewährter Form: Krauthobeln in der Bioland-Gärtnerei, Hoffest auf dem Magnushof. Zu unserer großen Freude war der Zuspruch sehr groß, hier wie dort.

Erst die Arbeit …

Beim Krauthobeln gab es zu den Stoßzeiten Warteschlangen, die fast beängstigend lang waren! Doch unser Team war auf den Ansturm vorbereitet, und viele fleißige Hände in der Gärtnereihalle sorgten dafür, dass es zügig voranging. Die Wartenden vertrieben sich die Zeit mit Plaudereien und Fachsimpeleien. Manche überlegten auch, ob sie zusätzlich zum Kraut noch Kürbis, Lagergemüse oder Kartoffeln aus eigenem Anbau mit nach Hause nehmen sollten.

… dann das Vergnügen

Unten auf dem Magnushof herrschte den ganzen Nachmittag über buntes Treiben. Scharen von Gästen genossen bei trockenem Wetter das kulinarische Angebot. Viele kamen direkt aus der Gärtnerei und gönnten sich nun einen kleinen Imbiss. Danach gab es die Möglichkeit, im Hofladen einzukaufen, draußen die Produktpalette der Kreativbereiche unserer Magnus-Werkstätten kennenzulernen und an einer Führung im Milchviehstall teilzunehmen. Oder einfach nur dazusitzen und den drei Musikern zuzuhören, die sich eigens für unser Hoffest spontan zu einem Trio zusammengefunden hatten: Stefan und Martin Hegele von „ScheinEilig“ und Johannes Sift von „Quetschendatschi“.

Spaß für Kinder

Familien mit Kindern zog es meist zu den Minischafen, die gelassen das Geschehen beäugten. Am Nachmittag wurde ein Spaziergang mit unseren beiden Eseln angeboten, bei dem sich gleichzeitig die Weitläufigkeit unseres Geländes kennenlernen ließ. Für Spaß war auch in der Scheune gesorgt: Dort gab es den Heuspielplatz, wo die Kleinen einen großen Sprung in einen Heuhaufen riskieren konnten.

Willkommen, lieber Herbst!

Der Herbst mit seinen reichen Erntegaben stand ganz im Mittelpunkt des Festes. Deko, Speisenauswahl, Unterhaltungsangebote, Einkaufsmöglichkeiten – alles war herbstlich abgestimmt. Wir hätten uns zwar gefreut, wenn sich die Sonne noch hätte blicken lassen und uns einen goldenen Oktobertag beschert hätte. Doch haben wir allen Grund zur Dankbarkeit: für die gute Ernte; für die Möglichkeit, dieses Fest zu feiern; für alle, durch deren Mitarbeit und Zusammenarbeit es zustande kommen konnte; und für die Gäste, die mit uns gefeiert haben!

Pressestimmen

„Es gibt ein buntes Rahmenprogramm mit bayerischer Volksmusik, kulinarischem Angebot und Führungen (…). Das Krauthobeln wird dabei besonders zelebriert: Ausgestattet mit Behältern (…) stehen die Gäste vor dem offenen Tor einer Gärtnereihalle an und warten geduldig, bis sie endlich an der Reihe sind. (…) Nebenan ist eine Crew von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ununterbrochen beschäftigt, die Krautköpfe zu putzen, zu vierteln und ihren Strunk zu entfernen. Mit den Kohlstücken wird dann ein Edelstahlrohr gefüttert, von dort fällt das Gemüse in ein ratterndes Schneidewerk. Die Maschine wackelt, ein süßlicher Kohlduft steigt auf. (…)“

Oliver Wolff, „Dieses Fest hat Tradition“, in: Landsberger Tagblatt, 10. Oktober 2022 Seite 27

Der gesamte Artikel ist (gebührenpflichtig) nachzulesen auf: https://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/holzhausen-das-krauthobelfest-ist-lange-tradition-bei-regens-wagner-id64182921.html

Für weitere Eindrücke

Auf unserem Instagram-Kanal können Sie ein Video betrachten:
https://www.instagram.com/p/CjiONrJgmdt/

Hier auf der Website finden Sie außerdem

… eine ausführliche Fotostrecke (Fotos: Heike Müsse)
… sowie den unten stehenden Erlebnisbericht „Ernte-Dank“.

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Ernte-Dank

von Anette Böckler

Krauthobelfest! Es ist früher Nachmittag, als ich mich aufmache Richtung Gärtnerei. Schon von Weitem sehe ich etliche Fahrzeuge vor den Gewächstunneln parken. Mein Weg zur Gärtnereihalle führt vorbei an dem Pausenbereich des Gärtnerei-Teams. Schön ist er angelegt, mit Hochbeeten voll Nutzpflanzen … für Insekten 😊. Die Bänke und Tische sind jetzt freilich leer, denn das Team hat bestimmt alle Hände voll zu tun mit der Krauthobelaktion.

Vor der Halle stoße ich auf eine Schlange mit Wartenden, die Wannen und Schüsseln unterschiedlicher Größen dabei haben; manche sind auch mit einem Schubkarren ausgerüstet. Eigentlich ist das gar nicht erforderlich, denn es steht ein fleißiger Mitarbeiter bereit, der schwere Einkäufe in einem gärtnereieigenen Karren zu den geparkten Autos bringt. Trotz Hochbetrieb geht es erstaunlich zügig voran, viele Hände helfen zusammen beim Putzen, Zerkleinern und Hobeln des Krauts, beim Abwiegen und Verpacken und beim Kassieren. Eine Kundin um die andere verlässt zufrieden den Kassenbereich, bepackt mit dem gehobelten Kraut, das heute noch weiterverarbeitet sein will. Vor der Gärtnereihalle finden sich Blaukraut, Steckrüben, Kürbis und schwarzer Rettich in großen Behältern, Kartoffeln und Zwiebeln werden fertig in Netzen verpackt angeboten.

Die Einschätzung „Hochbetrieb“ muss ich allerdings revidieren. Markus Seelos vom Gärtnerei-Team klärt mich auf: „Das jetzt ist gar nichts im Vergleich zu vorhin, als wir begonnen haben!“, lacht er. „Da reichte die Schlange zurück bis hinter die Gewächstunnel.“ Und am anderen Ende der Gärtnereihalle zeugen Behälter voller Reste – Strünke, abgetrennte äußere Blätter – davon, wie viele Krautsköpfe bereits den Weg in den Hobel gefunden haben. Manche der großen Außenblätter allerdings finden auch den Weg zu den Kunden, die Kaninchen daheim freuen sich schon drauf.

Ein Plakat lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich. Es wirbt für Führungen im Milchviehstall, die von den Azubis zur Fachpraktikerin Landwirtschaft angeboten werden. Weil es wie ein persönliches Einladungsschreiben wirkt, gebe ich der Neugier nach und statte dem Milchviehstall einen Besuch ab. Es sind ein paar Meter zu gehen in herbstlich trüber Wetterstimmung, aber zum Glück bleibt es trocken bei angenehmen Temperaturen. Einige Interessierte stehen bereits vor dem Stall, ins Gespräch vertieft mit dem Ausbilder Matthias Zech. Der erzählt mit großer Leidenschaft über den Betrieb und über die Philosophie der ökologischen Landwirtschaft und geht fachkundig auf Fragen ein. Währenddessen lugen zwei sympathische junge Mädchen, Karina und Cindy, immer wieder aus dem Stall heraus. Sie werden gleich die Führung übernehmen und freuen sich bereits auf ihren Job, das ist ihnen anzumerken. Als Höhepunkt und krönenden Abschluss der etwa halbstündigen Führung bieten die beiden den Punkt „Kälberversorgung“ an. „Na, ist das was?“, fragen sie die beiden kleinen Steppkes, deren Mama erklärt: „Das heißt, die Kälbchen füttern und so …“ Ein In-die-Hände-Klatschen und ein Jauchzer sind die Antwort. Das ist gut nachvollziehbar. Die Kälbchen sind nämlich bereits neugierig aus den Iglus herausgekommen. Die staksigen Beine, die großen Augen und die weichen Löckchen auf dem Kopf gehen nicht nur den ganz kleinen Besuchern direkt ans Herz!

Die nächste Station ist nun für mich der Magnushof. Der Weg dorthin beschert mir einen Blick auf eine andere Gruppe, die gerade bei der Hackschnitzelheizung eine Führung durch Josef Beyrle, den Bereichsleiter Landwirtschaft, erhält. Darunter entdecke ich auch Mitarbeitende von Regens Wagner Holzhausen, die die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, sich über den Tellerrand hinaus zu informieren. Die Gruppe wird gleich dorthin gehen, wo ich gerade herkomme: zum Milchviehstall. Dieser wurde vor 10 Jahren in Betrieb genommen. Zuvor war die Milchviehhaltung unten auf dem Magnushof angesiedelt. Auch damals schon sei es ein Laufstall gewesen, in dem sich die Tiere bewegen konnten. Allerdings könne den Tieren im neuen Stall viel mehr Platz geboten werden, außerdem seien die Weiden gleich vor der Stalltür, die Rinder müssen nicht über die Straße getrieben werden. Es gibt einen Melkroboter, den die Kühe nutzen können, wann ihnen danach ist, und Massagebürsten … Das gönne ich ihnen von ganzem Herzen, auch wenn ich ein klitzeklein wenig neidisch bin. 😊

Und dann … dann biege ich am Haupthaus doch noch einmal scharf rechts ab, anstatt direkt zum Magnushof zu gehen. Ich möchte ein zweites Mal das Herzstück unseres Krauthobelfestes aufsuchen. Zwei Frauen mit einem Hund kommen mir entgegen. Natürlich muss ich ihn ansprechen und frage augenzwinkernd, ob er denn vom Krauthobeln komme. Die Antwort haut mich dann doch um: „Ja“, schmunzelt sein Frauchen, „er ist ganz verrückt nach Weißkraut!“ Tatsächlich hat er ein paar Blätter zum Zerkauen abbekommen. Na so was!

Ein Blick in die Gärtnereihalle macht mich stutzen. Es sieht so aus, als wäre die Aktion beendet, kann das sein? Tatsächlich: Um kurz vor 15 Uhr ist vom gesamten geernteten Kraut nichts mehr übrig. Kein Wunder, denn der Ansturm war enorm und begann gleich mit Beginn der Veranstaltung. Wer auf Nummer sicher gehen will, dem empfehlen die Gärtner fürs nächste Mal eine Vorbestellung. Die Krautliebhaber, die nun noch herbeikommen mit ihren Wannen, werden mit einem bedauernden Schulterzucken empfangen. Nun gilt es die enttäuschten Gesichter zu trösten mit dem Tipp: Morgen findet bei einem befreundeten Gärtner in Kaufering ebenfalls eine solche Aktion statt. Zettel sind vorbereitet, die sämtliche Infos enthalten.

Weiteren Trost finden diejenigen, die leer ausgegangen sind, natürlich auf dem Magnushof. 😊Da erwarten sie Kaffee und Kuchen, und wer auf den Schrecken was Deftigeres mag, kriegt auch jetzt noch einen kleinen Imbiss: Zwiebelkuchen und Pommes sind zwar leider schon aus, aber es gibt noch herrliche, heiße Kürbissuppe und Leckeres vom Grill. Dazu musizieren ab 14 Uhr drei Herren, die sich eigens für das Krauthobelfest auf dem Magnushof aus den zwei Musikgruppen ScheinEilig und Quetschendatschi zusammengefunden haben. Man nennt dergleichen Inklusion! 😉 Und Inklusion wird großgeschrieben bei Regens Wagner Holzhausen, in jeder Hinsicht. Der ganze Hof ist zu einem Festplatz umfunktioniert. Die Buden, an denen es die Bons zu kaufen oder die lukullischen Genüsse abzuholen gibt, umrahmen das Gelände. Dazwischen finden sich Heuballen, Kürbisse, ein Stand mit Eier- und Kartoffelverkauf, große Infotafeln des Fördervereins … alles bunt gemixt. So bunt wie eben der Herbst!

Bunt gemixt sind auch die Angebote für Groß und Klein. Das Jungvieh im alten Stall begrüßt geduldig die Kleinsten, die mit ihren Eltern hereinkommen und die großen Tiere bestaunen. Die Wagemutigsten strecken ihnen ein Büschelchen Heu entgegen. Wird es angenommen? Vor dem Stall finden sich Motive aus der Kreativabteilung Metall-Deko, sie stellen einen Hahn und ein Huhn dar; direkt daneben entdecke ich die lebenden Tiere, die dafür Modell gestanden haben. 😊

Gleich nebenan ist ein „Heuspielplatz“ eingerichtet. Wer wagt einen Sprung in den Heuhaufen? Und wer mag auf einem Spielzeug-Traktor durch den Stall kurven? Wer mag einen Spaziergang mit den Eseln Oskar und Pünktchen machen? Ein wenig gehfreudig muss man dafür schon sein, aber wann hat man schon mal Gelegenheit, so einen Esel an der Leine zu führen! Die Werkstatt-Beschäftigte Sabine Wengust, die sich rührend um die Hoftiere kümmert, begleitet die Truppe bis hoch zum Milchviehstall. Später, so kündigt sie an, gebe es noch „eine Vorführung der Minischafe“. Diese trainieren dafür schon seit Wochen mit Sabine Wengust: Toffee, Fee und Blacky haben gelernt, über Hürden zu springen … Minischaf numero 4, Silva, habe dazu meist keinen Bock.

Für die Großen gibt es verschiedenartige Sitzgelegenheiten, überall wie zufällig hingestreut. Neu in diesem Jahr: eine Lounge zum Sitzen, Chillen und Plaudern. Jeder findet irgendwo sein Plätzchen, doch manche der Gäste gehen am liebsten über den Hof, weil sie so viele Bekannte wiedersehen und mit allen ein paar Worte wechseln wollen. Dazu zählen treue Kraut-Kunden ebenso wie ehemalige oder aktuelle Mitarbeitende sowie Menschen mit Behinderung, die bei Regens Wagner Holzhausen wohnen oder arbeiten, manche sind dafür eigens aus Buchloe gekommen. Mir selbst geht es nicht anders, ich freue mich über das Wiedersehen mit einem ehemaligen Chorsänger und seiner Frau, einer ehemaligen Mitarbeiterin. Alle genießen wir die Begegnung mit alten Bekannten, um Erinnerungen auszutauschen oder einfach zu fragen: „Wie geht’s?“

„Es ist total schön!“, freut sich die neue Abteilungsleiterin für Marketing und Vertrieb Bianca Günzer, „wie viele Besucherinnen und Besucher gekommen sind!“ Sie hat – mit der tatkräftigen Unterstützung ihres erfahrenen Teams – das Ganze verantwortlich vorbereitet, ohne freilich zu wissen, was „Krauthobelfest bei Regens Wagner“ wirklich meint. Jetzt weiß sie es 😊 – und ist begeistert.

Begeistert ist auch eine andere Besucherin. Sie war am Vormittag hier, hat Kraut gekauft und zuhause zusammen mit Freundinnen eingestampft. Jetzt ist sie noch einmal gekommen, um auch das Hoffest mitzuerleben. „Es wird immer schicker und ist auch zeitgemäß, selbst Lebensmittelvorräte anzulegen“, meint sie. „Und die Aktion, die man hier erlebt, hat etwas Gemeinschaftliches. Das tut gut. Zusammen mit dem Fest auf dem Hof ist das wie … ja, wie ein Erntedankfest!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Oder doch? Ja, doch: Eine so schöne Beobachtung! Und ein Anlass, allen zu danken, die zum Gelingen dieses wunderbaren Nachmittags beigetragen haben. Dies beginnt bereits bei der Aussaat der Gemüsepflanzen durch unsere Gärtnerei-Mannschaft und setzt sich kontinuierlich im Hand-in-Hand-Arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung in Landwirtschaft und Gärtnerei fort bis hin zum Vorbereiten und Ausrichten des Krauthobelfests. Und auch den Himmel würde ich in den Dank einschließen, der seinen Segen zu Wachstum und Gedeihen dazugibt, wie es in dem wunderschönen Lied „Wir pflügen und wir streuen“ heißt.

Ein Ernte-Dank-Fest, dieses Krauthobelfest! Ja, genau so kann man es erleben. Es führt einem vor Augen, wie alles zusammenhängt. Die Milch kommt eben nicht aus dem Kühlschrank, die Pommes wachsen nicht in der Gefriertruhe, und damit Sauerkraut auf den Tisch kommt, müssen viele Menschen lange Zeit viel leisten. DANKE!